


Viele unterschiedliche Kulturen haben die Geschichte Sevillas geprägt. Aus ihren Einflüssen hat sich im Laufe der Jahrhunderte das kulturelle, bauliche und kunsthistorische Erbe herausgebildet, das man heute in den Straßen und Museen Sevillas bewundern kann. Um den Ursprung der Stadt, der im Dunkeln liegt, ranken sich Legenden, die Herkules ihre Gründung zuschreiben. Wer mehr über die Alte Geschichte Sevillas erfahren möchte, sollte das Archäologische Museum aufsuchen, das sich im ehemaligen Pavillon der Iberoamerikanischen Ausstellung von 1929 befindet, ein Gebäude, das an sich schon einen Besuch wert ist. Ausgestellt werden in dem Museum Reste der Völker, die vom anderen Ufer des Mittelmeers kamen, Darstellungen ihrer Götter sowie der Tesoro del Carambolo (Schatz von El Carambolo), der zeigt, wie jene "Ursevillaner" orientalische Einflüsse verarbeiteten.
Eine Ortschaft in der Nähe Sevillas, Alcalá del Río, war Schauplatz der entscheidenden Schlacht zwischen Römern und Karthagern (206 v. Chr.), und dort wurde auch die erste römische Siedlung gegründet, die zur Erinnerung an ihre Gründer Italica getauft wurde. Julius Cäsar (45 v. Chr.) gewährte den Sevillanern alle Rechte der römischen Bürger und benannte die Stadt in Julia Romula Hispalis um. "Obgleich es in Sevilla große und prächtige Tempel, Zirkusse (...) und Amphitheater gab (...) ist alles verschwunden", berichtete bereits im 17. Jahrhundert Rodrigo Caro. Ein weiterer Grund also, um das Archäologische Museum zu besuchen, wo die römische Zeit mit aus Italica stammenden Funden ausgezeichnet dokumentiert ist.
Die beiden Figuren auf dem Stadtwappen, Sankt Leander und Sankt Isidor, die zur Rechten und zur Linken des Erobererkönigs stehen, erinnern an die westgotische Zeit, die gemessen an der Pracht des islamischen Sevillas, das gleich darauf folgte (712), etwas blass wirkt.
In der Epoche der Almohaden (Mitte des 12. Jahrhunderts) erlebte die Stadt Isbiliya ihre Glanzperiode. Man erbaute die Hauptmoschee, deren Minarett das Symbol der Stadt ist und im Laufe der Zeit den Namen Giralda bekam, weil der Aufsatz aus der Renaissance von einem sich im Wind drehenden ("girar") Fähnchen gekrönt ist.
Die Stadt ging an die Krone von Kastilien, als sie 1248 von König Ferdinand III. ("der Heilige") erobert wurde. Die Moscheen der Stadt wurden zu Orten christlicher Gottesdienste, so auch die Große Moschee. Aber anderthalb Jahrhunderte später beschloss das Domkapitel, sie aufgrund ihres ruinösen Zustands abzureißen und an ihrer Stelle eine Kathedrale zu errichten, die eindeutig das Symbol des christlichen Sevillas ist. Eine wichtige Figur aus dem Mittelalter ist König Pedro, der in dem von Mauern geschützten Gelände des alten Alcázar einen Palast im Mudejarstil errichtete (14. Jahrhundert).


Im 16. Jahrhundert wird Sevilla nach der Entdeckung Amerikas zum Hafen für Spanisch-Amerika, der das Monopol für den Handel mit dem neuen Kontinent hat. Die Casa de la Contratación, das staatliche Handelshaus, hat seinen Sitz im Alcázar, und die Händler lassen die Casa Lonja (Warenbörse) bauen, die Jahrhunderte später das Archivo de Indias (Archiv Spanisch-Amerikas) wurde. Es entstehen viele Stadtpaläste und ein wichtiger Profanbau, das Hospital de las Cinco Llagas, in dem heute das Parlament Andalusiens untergebracht ist.
Im 17. Jahrhundert ist Sevilla reich an Künstlern von internationaler Bedeutung, aber wirtschaftlich angeschlagen, da sich der Handel mit Amerika allmählich nach Cádiz verlagert. Den Laienbrüderschaften der Passion, die zuvor völlig ungeordnet mit ihren Marien- und Christusbildern durch die Straßen zogen, werden mit der Carrera Oficial Regeln auferlegt - sie alle müssen sich an die offizielle Route und an eine nach dem Alter der Brüderschaften festgelegte Reihenfolge halten. Die Semana Santa (Osterwoche) entsteht und inspiriert zusammen mit einer tiefen Frömmigkeit berühmte Künstler wie Montañés, Murillo, Zurbarán und Valdés Leal, deren Werke im Museum für schöne Künste und auch in verschiedenen Pfarreien zu sehen sind. Es werden wichtige Sakralbauten errichtet: die Kirchen La Caridad, El Salvador und - sehr beeindruckend - San Luis de los Franceses. Bei all diesen Baumaßnahmen ist Leonardo de Figueroa beteiligt, der große Meister des Barocks in Sevilla.
Im 18. Jahrhundert wurde die neue Tabakfabrik gebaut, ein Industriegebäude, das als Schauplatz der Erlebnisse von Carmen, der Zigarrenfabrikarbeiterin, in der ganzen Welt berühmt wurde. Der Bau eines weiteren Schauplatzes dieses Werks, der Plaza de Toros (Stierkampfarena) de la Real Maestranza, wurde begonnen, aber erst im folgenden Jahrhundert abgeschlossen.
Die Romantik des 19. Jahrhunderts machte Sevilla zu einem exotischen Ziel für die ersten Reisenden. Manche waren gute Zeichner und haben uns Skizzen einer Stadt hinterlassen, die damals noch ihre Stadtmauer besaß. Diese wurde schließlich abgerissen, um den zunehmenden Verkehr zwischen dem Teil der Stadt innerhalb der Mauern und dem Teil außerhalb der Mauern zu erleichtern. Für die Eisenarchitektur gibt es in Sevilla zwei Beispiele: die Puente de Triana, erste gemauerte Brücke über den Fluss Guadalquivir, die sich an die Pariser Carrousel-Brücke anlehnt, und die Naves del Barranco (Fabrikhallen).
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeitete man mit Feuereifer an der Vorbereitung einer Ausstellung, die aus verschiedenen Gründen mehrfach aufgeschoben wurde und schließlich 1929 stattfand. Die Iberoamerikanische Ausstellung hinterließ den Sevillanern die Plaza de España, die Plaza de América und die Pavillons der Teilnehmerländer, die mit ihren unterschiedlichen Stilrichtungen an die Eingeborenenkulturen der vorkolumbischen Zeit erinnerten. Das Jahrhundert endete mit der Veranstaltung einer weiteren Ausstellung, der Expo 92, die dem 500. Jubiläum der Entdeckung Amerikas gewidmet war und viele städtebauliche Veränderungen mit sich brachte: zunächst die Einbindung der Insel La Cartuja, die das Gelände für die Expo hergab, aber auch die Beseitigung von zwei alten Bahnhöfen, die den innerstädtischen Verkehr sehr behinderten, und der Bau des Bahnhofs Santa Justa und des Hochgeschwindigkeitszugs, der Bau von Umgehungsstraßen usw.
Auf dem ehemaligen Expo-Gelände befindet sich heute ein Technologiepark, wo viele bedeutende Unternehmen ihren Sitz haben.
Seit dieser wichtigen Veranstaltung sind nun schon etliche Jahre vergangen - aber die Geschichte Sevillas geht weiter und Sevilla wächst weiter.
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