
Der FLAMENCO, auch unter der Bezeichnung "cante jondo" bekannt, ist die reinste Ausdrucksform der andalusischen Folklore. Seine noch umstrittenen Ursprünge werden mit der Ankunft der Zigeuner in der Umgebung von Cádiz und Sevilla im 15. Jh. in Verbindung gebracht. Man nimmt an, dass sie aus einer Region im Norden Indiens, die Sid genannt wurde und heute zu Pakistan gehört, kamen, auf der Flucht vor kriegerischen Auseinandersetzungen oder Invasionen ausländischer Eroberern.

Mitte des 19. Jh. wurde diese Kunst durch die cafés cantantes (Musik-Cafés) verbreitet. Das erste dieser Cafés wurde in Sevilla um das Jahr 1885 eröffnet, später erstreckten sie sich über ganz Andalusien und Madrid. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Flamenco nur bei Familienversammlungen oder Privatfesten gepflegt worden.
Dem Mythos zufolge wurde der Flamenco mit dem Volk der Zigeuner in Verbindung gebracht. Er stellt jedoch ein vielschichtiges Phänomen mit zahlreichen Varianten dar und kann nur schwerlich einer bestimmten sozialen oder ethnischen Gruppe zugeordnet werden.

Alle Gelehrten dieser künstlerischen Ausdrucksform sind sich darin einig, dass die drei Hauptelemente der Gesang, das Spiel (Gitarre) und der Tanz sind. Dabei gibt es unzählig Stilrichtungen oder "palos", die nach mehr oder weniger gemeinsamen Strukturen, Melodien oder Themen in Familien gruppiert werden.
Heute kann der Flamenco auf eine Geschichte voller außerordentlicher Persönlichkeiten zurückblicken: Enrique el Mellizo, Manuel Torre, Tomás Pavón, La Niña de los Peines, Antonio Chacón, Manolo Caracol oder Pastora Imperio sind einige der Stützpfeiler dieser historischen Kunst, die reich an Interpreten ist und zu einem der bedeutendsten Kennzeichen der Kultur unseres Landes wurde.

Besondere Beachtung verdient José Monge, eher bekannt unter dem Namen Camarón de la Isla, die letzte große Figur des Zigeunergesang. Er hat das gesamte Flamenco-Repertoir durchlaufen und höchste Popularität erreicht, wobei er durch die Einführung innovativer Elemente hervorsticht.
Das derzeitige Interesse an allem Einheimischen hat heutzutage zu einem außerordentlichen Flamencoboom geführt. So entsteht ein "neuer Flamenco", der einerseits klassisch und virtuos ist andererseits anderen Musikrichtungen offener gegenübersteht. Diese sich im vollem Aufschwung befindende Szene hat Künstler von Größe berühmt gemacht wie Enrique Morente oder Carmen Linares im Gesang, Cristina Hoyos, Mario und Belén Maya, Milagros Mengíbar, Antonio Canales oder Joaquín Cortés im Tanz und Gitarristen wie Vicente Amigo, Tomatito oder Paco de Lucía. Kurz gesagt eine lange Liste, bei der wir die Compañía Andaluza de Danza (das Andalusischen Tanzensemble) nicht vernachlässigen dürfen, eine außerordentliche Gruppierung öffentlichen Charakters, die sich seit 1995 der Erforschung und Verbreitung des Flamencos auf allen Bühnen der Welt widmet.
In Sevilla können die Touristen täglich eine Vorführung dieser Kunst mit allem Glanz in den berühmten "tablaos flamencos" (Flamencobühnen) –die direkten Nachfolger der ehemaligen Musik-Cafés-, in den "peñas" (Flamencoclub) der Stadtviertel oder in den Festivals der Dörfer genießen.

Ferner werden das Jahr über zahlreiche mit dem Thema in Verbindung stehende Festivals organisiert, wobei wegen ihrer Bedeutung die berühmte Biennale der Flamencokunst hervorzuheben ist, die in den geraden Jahren in der Stadt veranstaltet wird und an der die bedeutendsten Figuren des Gesangs und des Tanzes teilnehmen. Dieses unvergleichliche Treffen findet bereits seit zwanzig Jahren statt und sein Hauptziel ist es, diese Kultur ins soziale Gewebe Sevillas mit einzubeziehen, um sie anschließend dem gesamten Gebiet Andalusiens zu eröffnen.
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