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Weltausstellung von 1992

Von der Expo '92 bis zur Cartuja '93

Die Weltausstellung in Sevilla im Jahr 1992 war eine Initiative von König Juan Carlos, der 1976 in einer historischen Rede in Santo Domingo die Idee aussprach, in Spanien zum 500. Jubiläum der Entdeckung Amerikas eine große Ausstellung zu veranstalten, um "den Dialog zwischen den Völkern und den kulturellen Austausch als Wege zum Verständnis und zur Solidarität" zu fördern. Die Stadt Sevilla, die in den zwei glanzvollsten Jahrhunderten Spaniens "Puerto de Indias", Umschlaghafen für Spanisch-Amerika, war, bot sich als perfekter Standort an. Sie besaß für diesen Zweck auch ein riesiges unbebautes Areal, die Insel La Cartuja, die früher Ort des Gebets und der Andacht gewesen war und strategisch zwischen zwei Flussarmen neben der historischen Altstadt lag.

Die Ausstellung sollte ein Ansporn für die Stadt werden und entscheidende Impulse für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung geben, indem man nicht einfach nur die Veranstaltung abwickelte, sondern die Stadt auch mit einer dem 21. Jahrhundert angemessenen Infrastruktur ausstattete. Die Expo ‘92 sollte das neue Image sein, mit dem sich das demokratische, moderne und pluralistische Spanien dem Rest der Welt zeigen wollte. Diese tief greifende Umgestaltung brachte den Bau eines neuen Netzes von Umgehungsstraßen, Ringstraßen und Boulevards mit sich: Allein in der Hauptstadt wurden 70 Straßenkilometer gebaut, und über den alten Flusslauf des Guadalquivir wurden sechs neue Brücke geschlagen, von denen jede einzelne ein Renommierstück avantgardistischer Ingenieurtechnik ist. Auch wurde der rundum gelungene Bahnhof Santa Justa gebaut, der die Revolution des zwischen Madrid und Sevilla verkehrenden Hochgeschwindigkeitszugs AVE einleitete. Es war damals der erste Zug dieses Typs in Spanien, und seitdem legt er die Strecke zwischen den beiden Hauptstädten in knapp zweieinhalb Stunden zurück. Ein Nebeneffekt war, dass die Zweigstrecke in der Torneo-Straße (genau gegenüber der Insel La Cartuja) überflüssig wurde und so mehrere Kilometer am Flussufer als herrlicher Spazierweg zurückgewonnen wurden. Darüber hinaus wurde die Kapazität des neuen Flughafens San Pablo vervierfacht. Großes Lob verdienen auch die Bemühungen verschiedener Behörden wie auch der Privatinitiative, neue Hotelbetten von hoher Qualität zu schaffen sowie eine große Zahl von historischen Gebäuden zu renovieren und aufzuwerten – Bemühungen, die auch heute noch fortgesetzt werden.

Vom 20. April bis zum 12. Oktober war Sevilla mehr denn je eine universelle Stadt: Teilnehmer waren 111 Länder (ein Rekord in der Geschichte der Ausstellungen!), die wichtigsten internationalen Organisationen (die Vereinten Nationen, das Internationale Olympische Komitee, die Europäische Union u. v. m.) und Unternehmen ersten Ranges, und selbstverständlich auch jede einzelne der Autonomen Regionen Spaniens. In den 176 Tagen, die die Schau dauerte, reagierte die Öffentlichkeit mit großem Enthusiasmus: Man registrierte über 41 Mio. Besuche, weit mehr, als von den Veranstaltern vorausgesehen, und 15 Mio. Menschen – zu 40% internationales Publikum – lernten die Expo '92 aus erster Hand kennen. Vor kurzem wurde beim 10. Jahrestag der Veranstaltung daran erinnert, dass die Weltausstellung als Modell für Modernisierung und Effizienz auf allen Ebenen ein voller Erfolg war. Als sie ihre Tore zumachte, stand man vor der Notwendigkeit, ihre umfangreiche Hinterlassenschaft wirksam zu managen. Besonders hervorgetan hat sich hierbei die staatliche Gesellschaft AGESA (Sociedad Estatal de Gestión de Activos), die sich um die rentable Nutzung der Investitionen durch eine Wiederverwendung des Sachvermögens und mittels Auflösung der überschüssigen Ausstellungsbestände kümmerte. Dadurch, dass die Ausstellung mit der Grundidee geboren wurde, auf Dauer ein Entwicklungsmotor zu sein, hat sie uns die Insel La Cartuja vermacht, die Kunst und Spitzentechnologie in voller Expansion unauflöslich vereint.

Heute werden so ungewöhnliche szenische Räume wie El Auditorio, das größte Open-Air-Theater Europas (mehr als 4000 Zuschauer) oder das Teatro Central, das einzige in Spanien, das speziell für neue Theatertendenzen konzipiert wurde, voll genutzt. Das 1400 gegründete Kloster Santa María de las Cuevas, das engstens mit Kolumbus' Heldentaten verknüpft ist (schließlich wählte Kolumbus es als Platz für seine Familiengruft), das ab dem 19. Jahrhundert eine von dem Engländer Pickman gegründete Keramikfabrik war und als königlicher Pavillon für die Expo renoviert wurde, beherbergt heute das Centro Andaluz de Arte Contemporáneo (andalusisches Zentrum für zeitgenössische Kunst) und das Instituto Andaluz de Patrimonio Histórico (andalusische Institut für Denkmalschutz). Mit exemplarischen Renovierungsarbeiten zum Ausstellungsraum umgemodelt wurde der Pavillon von Ungarn, Der wegen seiner Symbiose von Tradition und Moderne zu den architektonischen Schmuckstücken der Ausstellung zählende Pavillon von Marokko ist heute die Fundación de las Tres Culturas del Mediterráneo (Stiftung der drei Kulturen des Mittelmeers), die auf den Geist dessen, was die christliche, die hebräische und die mohammedanische Kultur verbindet, abhebt.

Die Eröffnung des Freizeitparks Isla Mágica im Jahr 1997 am ehemaligen Spanien-See hat dazu beigetragen, dass der Tourismus auch in den Sommermonaten nicht nachlässt, denn der Park wurde sofort zu einem sehr beliebten Ausflugsziel. In seinem Einflussbereich befinden sich der Pavillon von Andalusien, ein Aufsehen erregender Bau aus Macael-Marmor, Stein aus Granada und Glaskeramik, Symbol für Tradition und Veränderung gleichzeitig, der Retevisión-Pavillon (dieser und der Andalusien-Pavillon sind heute Stützpunkte des andalusischen Fernsehsenders RTVA) und der Pavillon des IOC (internationales olympisches Komitee), der heute eine wichtige Adresse im sevillanischen Nachtleben ist, denn er beherbergt die berühmte Disco Antique und das exklusive Restaurant Bacho. Demnächst werden diese Einrichtungen mit dem Projekt Puerto Triana vervollständigt, das den Bürgern die südliche Zone der Cartuja-Insel wieder erschließt. Es ist als großes Einkaufs- und Freizeitzentrum konzipiert und soll das architektonische Markenzeichen des Sevillas der Zukunft sein: Neben Neubauten von Ricardo Bofill bieten sich dem Besucher wieder so attraktive Kultureinrichtungen wie das Kino Cine Espacial Omnimax mit seiner spektakulären halbrunden Leinwand mit 24 Metern Durchmesser oder auch der früher meistbesuchte und beliebteste Pavillon der Schifffahrt, der ein in seiner Art einzigartiges Schifffahrtsmuseum beherbergt.

Der Wissenschafts- und Technologiepark Cartuja'93, der sich auf dem Areal der internationalen Pavillons der Expo'92 befindet, ist seit seiner Schaffung eine einzige Erfolgsgeschichte. Ein großer Pluspunkt ist die stadtnahe Lage praktisch direkt an der Altstadt Sevillas und natürlich die perfekten Verkehrsanschlüsse an den Flughafen, die Hochgeschwindigkeitslinie, einen Hubschrauberflughafen, den Flusshafen und das nationale Straßennetz. Die andalusische Regierung ist die Körperschaft mit der größten Beteiligung an dem Projekt, obwohl auch die anderen Verwaltungsebenen vertreten sind, und zwar vor allem die Stadt Sevilla über ihr Stadtplanungsamt, das in den berühmten "Caracolas" angesiedelt ist, wo die Expo geplant wurde, und sich besonders interessiert an einer Integration der Cartuja-Insel in die restliche Stadt gezeigt hat. Die einzigen erlaubten Aktivitäten in dieser Technopolis sind F&E (Forschung und Entwicklung), Technologietransfer und –prospektion, Aus- und Weiterbildung, Geschäfte mit hohem Technologiegehalt und fortgeschrittene Dienstleistungen. Die Unternehmen, die man dort antrifft, sind aus den Bereichen Biotechnologie und Ernährung, angewandte Ingenieurtechnik, Technologien im Gesundheitswesen sowie Telekommunikation und Informatik; ihnen allen kommen die hervorragenden Infrastrukturen zugute, mit denen das Gelände bei seiner Schaffung ausgestattet wurde. Der Wissenschafts- und Technologiepark hat die größten Umsatzziffern aller derartigen Parks in Spanien: Die dort angesiedelten 232 Unternehmen haben im Jahr 2002 einen Gesamtumsatz von 1,21 Mrd. Euro erzielt, was einem Wachstum von 72% gegenüber 2000 entspricht. Jetzt steht die Erweiterung des Parks um einen zweiten Komplex an: Cartuja2.

Die Universität und sonstige Forschungszentren spielen eine wichtige Rolle bei der neuen Nutzung der Insel La Cartuja: In dem einzigartigen Pavillon Plaza de América, dem größten Gebäude auf diesem Gelände (33 000 m2), das ursprünglich die 16 amerikanischen Republiken aufnahm, befindet sich nun die Hochschule für Maschinenbau und künftig auch die Hochschule für Luftfahrttechnik, und auch der neue Fachbereich für Medienwissenschaft wird sich dazugesellen. In dieser Zone gibt es drei wichtige Labors: das Institut für pflanzliche Biochemie und Fotosynthese, das Institut für Materialwissenschaften und das Institut für chemische Forschungen, die alle drei dem staatlichen Wissenschaftsrat unterstellt und der Universität Sevilla angeschlossen sind. Hierzu kommen in Zukunft das Institut für biomedizinische Forschungen und das nationale Zentrum für Partikelbeschleuniger.

Schließlich muss noch die starke unternehmerische Präsenz im Pavillon Plaza de Africa erwähnt werden, wo während der Weltausstellung 15 afrikanische Länder vertreten waren. Der Pavillon wurde vom andalusischen Arbeitgeberverband CEA gebaut, der heute dort seinen Sitz hat und renommierte Weiterbildungskurse veranstaltet.

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